NORDSEE-ZEITUNG
AUBI-plus GmbH Donnerstag, 11. Oktober 2018 6 Minuten Lesezeit

Berufe am anderen Ende der Welt

Industriekaufmann, Werkzeugmechaniker oder Fachkraft für Lagerlogistik: Alltägliche Berufe, von denen du vermutlich schon sehr oft gehört hast. Für viele junge Erwachsene stellt sich in der Zeit nach dem Schulabschluss die große Frage, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Lieber eine Ausbildung, ein Auslandsjahr oder sogar die Herausforderung eines Studiums annehmen?

Am anderen Ende der Welt warten einzigartige Berufe auf dich
Am anderen Ende der Welt warten einzigartige Berufe auf dich© Pixabay Public Domain

Wie du bestimmt schon gemerkt hast, wirkt die berufliche Laufbahn in Deutschland auf den ersten Blick relativ streng. Nach der Ausbildung oder dem Studium folgt die Arbeit oder verschiedene Weiterbildungen. Bei einigen Jugendlichen entwickelt sich der Wunsch nach Alternativen zur normalen Arbeit. Sie wollen nicht in gewohnter Umgebung bleiben, sondern andere Seiten der Welt und deren Facetten kennenlernen.

Dass die Zukunft auch völlig anders gestaltet werden kann, zeigen dir andere Regionen auf, weit über Deutschlands und Europas Grenzen hinaus. Wir zeigen dir eine kleine Auswahl an Jobs, die mehr als kurios sind. Hättest du gedacht, dass es solche Berufe gibt?

„Der beste Job der Welt“: Inselwärter am Great Barrier Reef

Du liebst die Sonne, das Meer und den Strand? Du willst mit Fischen tauchen, Unterwasserwelten entdecken und schöne Landschaften erkunden? Dann zeigen wir dir jetzt den wahrscheinlich „besten Job der Welt“.

Der australische Bundesstaat Queensland rief 2009 ein Projekt ins Leben, welches es vermutlich in der Form bisher nirgends gegeben hat. Die Stelle wurde ausgeschrieben als „Islandcaretaker“, was so viel heißt wie Inselhausmeister.

Du fragst dich jetzt sicher: Was macht überhaupt so ein „Islandcaretaker“?

Das Anforderungsprofil war genau festgelegt: Es wurde eine aufgeschlossene, neugierige Person gesucht, die zugleich ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag legt. Die Aufgaben waren ebenfalls genau notiert. Die Haupttätigkeit: Das Führen eines Internetblogs, auf dem Eindrücke und Fotos von der alltäglichen Zeit am Great Barrier Reef geteilt werden sollten. Frei nach dem Motto „Je mehr, desto besser“ sollte das Ziel sein, den Lesern viele Facetten der Nordostküste Australiens vorzustellen, gleichzeitig das Interesse für das Gebiet zu wecken und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es war also als eine groß-angelegte, über 6 Monate reichende Werbe- und Marketingaktion für das Great Barrier Reef gedacht, welche mit umgerechnet 80.000 € Verdienst mehr als großzügig entlohnt wurde.

Bis heute ist die mehr als kuriose Job-Ausschreibung eine einmalige Aktion geblieben. Aber wer weiß, vielleicht hast du Glück und eine solche Stelle wird noch einmal angeboten.

Träumen soll ja bekanntlich erlaubt sein!

Der Löwenmann aus Südafrika

Du liebst Tiere, hast sogar eigene Haustiere und kannst gar nicht die Finger von kleinen Hunden oder Katzen lassen? Dann interessiert dich bestimmt der zweite Beruf, den wir dir vorstellen. In dem Beruf geht es auch um Vierbeiner, jedoch von einem ganz anderen Kaliber.

Wenn man vom sogenannten „Löwenmann“ spricht, ist die Rede von Südafrikaner Kevin Richardson. Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren ist er im Kingdom-of-the-White-Lion-Park im zwei Stunden östlich von Johannesburg gelegenen Broederstroom tätig. Der Park beheimatet von Löwen über Giraffen, bis hin zu verschiedenen Antilopenarten eine Menge afrikanischer Tiere.

Doch was ist das Besondere an seinem Job?  

Seine Arbeit im Park begann 1997 im Alter von gerade einmal 23 Jahren, bei der er bereits zu Anfang vor die wahrscheinlich größte Herausforderung gestellt wurde. Er lernte die sechs Monate alten Löwenbabys Tau und Napoleon kennen, um die er sich fortan intensiv kümmern sollte. Seine Aufgaben stellten hauptsächlich die Aufzucht mit der Flasche und die alltägliche Beschäftigung dar. Durch die gemeinsame Zeit entstand zwischen Kevin und den jungen Löwen großes Vertrauen und ein inniges Verhältnis.

Ob du es glaubst oder nicht, das Verhältnis prägte sich sogar soweit aus, dass er von ihnen als Familienmitglied anerkannt wurde - obwohl er ein Mensch ist. Krass, oder?

Diese doch sehr außergewöhnliche, einzigartige Geschichte nahm Kevin zum Anlass, mehrere Bücher über sein besonderes Verhältnis zu den Wildtieren zu verfassen, in denen er Einblicke in die Seele und das alltägliche Leben der schönsten und gefährlichsten Kreaturen Afrikas liefert. Mittlerweile führt Kevin den auf 800 Hektar vergrößerten Park sogar als Chef!

Was ist mit dir? Wärst du für den außergewöhnlichen Job eines Löwenerziehers geschaffen? 

Forschungshelfer in Spitzbergen

Nun kommen wir zu einem Ort, bei dem man eigentlich vom Ende der Welt sprechen kann. Die Rede ist von Spitzbergen, einer zu Norwegen gehörenden Inselgruppe zwischen Norwegens Festland und dem Nordpol, welche das nördlichste Dorf Europas und eines der nördlichsten bewohnten Gebiete der Erde beheimatet.

Gletscher, Schnee und Eis formen das Landschaftsbild und beheimaten viele Tiere wie Robben, Füchse, Wale oder Eisbären. Die Eisbärenpopulation ist mit circa 3000 Tieren sogar um einiges größer als die der Menschen.

Gerade bezüglich des Klimawandels sind auf Spitzbergen drastische Veränderungen des Landschaftsbildes zu beobachten. Um diesen und andere wichtige Themen zu untersuchen, wurde das größte Labor der modernen Arktisforschung eingerichtet, in dem Forscher aus elf Ländern Platz finden und Stationen sowie Forschungslabore betreiben. Eines der größten Labore ist die deutsch-französische Forschungsstation AWIPEV, die gemeinsam vom Alfred-Wegener-Institut und dem Institut Paul-Emile-Victor geleitet wird. Hauptthema der 50 bis 60 Forschungsprojekte im Jahr ist die Grundlagenforschung der Umweltwissenschaften. Dazu ergänzend gibt es Projekte in der Polar- und Meeresforschung sowie Untersuchungen bezüglich des Klimawandels. Verteilt über das gesamte Jahr bleiben also auch viele deutsche Wissenschaftler im hohen Norden.

Auf ihren Expeditionen stehen ihnen regelmäßig wissenschaftliche Mitarbeiter/ Helfer zur Verfügung, die in vielerlei Hinsicht unterstützend zur Seite stehen. Spitzbergen bietet große, weitläufige Natur, um unzählige unentdeckte Gebiete und außergewöhnliche, einzigartige Landschaften zu erkunden.

Arbeit in kleinen Teams mit unvergleichlicher Ruhe im Hintergrund. Mit Jetski in der kalten Umgebung auf Entdeckungstour gehen, einmalige Begegnungen mit seltenen Tieren haben. Dem Klimawandel aktiv auf den Grund gehen. All das ist in Spitzbergen möglich und zeichnet die Einzigartigkeit der Tätigkeiten aus, welche auf den Forschungsstationen ausgeübt werden.

Dir macht Kälte und Dunkelheit nichts aus und du hast das Entdeckergen in dir? Dann wäre es doch der perfekte Beruf für dich!

Eine Welt – grenzenlose Berufe

Wie du siehst, sind der Kuriosität bei Berufen keine Grenzen gesetzt. Wenn dir die Auswahl an angebotenen Ausbildungen in Deutschland zu gering ist, gibt es viele Möglichkeiten, deinen beruflichen Horizont zu erweitern. Eine perfekte Möglichkeit hierfür ist beispielsweise ein „Work and Travel“, bei dem du Tätigkeiten austesten kannst. Vielleicht findest du auf diesem Weg einen außergewöhnlichen Beruf, der auch zu dir passt.

Wenn du dir also unsicher bist, was du wie oder wo machen möchtest: keine Sorge! Die Welt steht dir offen und steckt voller beruflicher Überraschungen.